Kann Identität ein Spiel sein?
- Mar 18
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Updated: Mar 25
Schon als Kind liebte ich es, mich neu zu erfinden: meinen Namen kreativ abzuwandeln, spiegelverkehrt zu schreiben, mit Worten und Buchstaben zu spielen. Gleichzeitig war es für mich komisch und schwer zu verstehen, dass ich überhaupt einen eigenen Namen habe. Ich konnte lange nicht begreifen, dass dieser Name mich benennt: mich selbst, mein Ich.
Ich staunte über die Kraft eines Namens, über die Tatsache, dass es schöne Namen gibt, aber auch solche, die weniger angenehm oder altbacken sind. Dieses Staunen und Spielen mit Namen begleitet mich bis heute und hat mich geprägt, wie ich heute meine Identität bewusst gestalte.
Was wäre, wenn es keine Namen gäbe? Welche Mechanismen müssten entwickelt werden, um uns dann zu identifizieren können? Wie würde man sich nennen, wie über andere sprechen, wie sich erinnern oder unterscheiden? Wie würde man sich selbst ausdrücken und vorstellen, wenn wir kein Wort hätten, die uns festlegen?
Vielleicht müssten wir uns gar nicht vorstellen, wenn wir uns begegnen. Vielleicht würden wir nach Begegnungen nicht mehr sagen: „Ich habe Maria oder Paul getroffen.“ Wir würden über Menschen sprechen wie über Geschichten, Momente oder Schwingungen, nicht über Namen, die sie begrenzen. Wir würden vermutlich einfach „Hallo“ sagen und dann zusammen leben, in Verbindung, ohne Worte, ohne Namen, einfach in der Begegnung. Anstelle eines Namens würde man Menschen dann wahrscheinlich über Interaktion und Beziehung definieren: „Mein Gesprächspartner von heute“ oder „Die Person, die ich gestern getröstet habe“.

"Warum Aneek d’Uwu?"
Der Künstlername „Aneek d’Uwu“ entstand vor etwa drei Jahren während meiner Zeit an der Schauspielschule – teilweise auch in Zusammenarbeit mit meiner Schauspielkollegin Kristina Rafolt. Ihr verdanke ich den Zusatz „Uwu“, der seinen Ursprung im Mädchennamen meiner Mutter „Unterwurzacher“ hat. Das „d’“ hingegen ist eine rein künstlerische Ergänzung und Ausdruck meiner Affinität zur französischen Sprache.
Der Name ist ursprünglich aus dem Wunsch heraus entstanden, meine berufliche von meiner künstlerischen Identität zu trennen, und gleichzeitig aus dem Bedürfnis nach Differenzierung: verschiedene Anteile und Interessen meines Selbst in Projekte ordnen und jedem Teil einen eigenen Ort, eine eigene Form, eine eigene Bühne geben.
Gleichzeitig ist es mir wichtig, meine eigene künstlerische Praxis immer wieder mit Abstand zu betrachten. Der Name schafft einen Rahmen, der es mir ermöglicht, mich nicht vollständig über meine Kunst zu definieren, sondern beweglich zu bleiben, Perspektiven zu wechseln und mich immer wieder neu zu positionieren.
Aneek d’Uwu ist somit nicht nur ein Meta-Identitätsprojekt, sondern auch ein bewusst gewählter Begriff, um meine künstlerische Identität hervorzuheben und mich und andere Rollen kontinuierlich neu zu erfinden.
Unter Aneek d’Uwu arbeite ich interdisziplinär, frei und unabhängig im Kunst- und Kulturbereich: Ich komponiere Musik, gestalte eigene Stücke und experimentiere mit Körper, Stimme und Performance. Gleichzeitig entwickle ich eigene künstlerische Methoden & Spiele, konzipiere und leite Workshops, in denen ich meine künstlerischen Ansätze und Ideen weitergebe und Räume für Ausdruck, Spiel und persönliche, künstlerische Entwicklung öffne.
Zu guter Letzt möchte ich die im Titel dieses Blogs gestellte Frage beantworten: Ja, Identität kann ein Spiel sein: Für mich ist sie ein Spiel mit verschiedenen Rollen.



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